DON DER WAL

Es ist schon fast deprimierend, wenn sich die Leute mehr für den Camper als für uns interessieren. «Wo kommt ihr her? Verkauft ihr euren Sprinter? Habt ihr selbst ausgebaut?» Letzte Frage können wir stolz mit Ja beantworten. Doch bevor wir etwas zum Ausbau erzählen, möchten wir dir den eigentlichen Star unserer Seite vorstellen: Don der Wal, einen Mercedes Sprinter 4×4, 313 CDI aus dem Jahre 2004 der Kantonspolizei St.Gallen. Lange haben wir gegrübelt, mit welchem Fahrzeug wir reisen wollen. VW Syncro oder ein Toyota Hiace waren uns zu klein. Landrover Defender oder Toyota Landcuiser mit Aufbaukabine wären zwar gut geeignet, im Anschaffungspreis für uns aber zu teuer. Blieb noch der Sprinter. Leider gibt es diese Fahrzeuge mit Jahrgang 2000 bis 2006, mit 4×4 und in gutem Zustang zu einem fairen Preis auch nicht mehr allzu oft. Doch wir hatten Glück und nun fahren wir mit Don um die Welt.

Don der Wal in Alaska

Der Sprinter ist für uns das perfekte Reisefahrzeug , da er sehr viel Stauraum bietet. Nach sechs Monaten haben wir immer noch einiges an Platz, den wir noch nicht verwenden. Sogar unsere Bikes sind im Inneren des Fahrzeugs verstaut. 4×4 war für uns immer ein Kriterium, denn gerade die schönsten Stellplätze erreicht man nicht einfach so. Klar, im Vergleich zu Defender und Co. zieht der Sprinter den Kürzeren. Doch es ist erstaunlich, wie weit man auch mit einem Sprinter fahren kann. Offroaden war für uns auch nie ein Bedürfnis. Der Sprinter ist nicht sehr gross und man manövriert problemlos durch enge Gassen, findet einen Parkplatz oder zerkratzt sich nicht bei jedem engen Waldweg die Seiten.

Ein leeres Blatt und 1000 Fragezeichen

Kommen wir nun zum spannenderen Teil: Dem eigentlichen Ausbau des Sprinters. Doch bevor wir loslegen, möchten wir klarstellen, dass wir hier nur unsere Erfahrungen teilen. Wir sind keine Experten und haben sicherlich auch Fehler gemacht. Jeder Ausbau ist anders und es gibt unzählige, evtl. auch bessere Wege, um einen Camper zu bauen.

Der erste Schritt zum eigenen Camper ist auch gleich der schwierigste und zeitaufwendigste. Zuerst stellten wir das Internet auf den Kopf und suchten nach Inspiration und Ideen. Hunderte Videos und Webseiten von Selbstausbauern hatten wir studiert. Dabei formten sich die ersten Ideen und Konzepte im Kopf. Mit Hilfe einer 3D Software wurden diese Entwürfe ausgearbeitet, bis wir überzeugt waren, einen funktionierenden Ausbau zu haben. Wir können dir nur empfehlen, so genau wie möglich zu planen, denn ohne Plan schleichen sich Fehler ein, die dann nur noch zeit- und kostenintensiv korrigiert werden können. Genügend Fehler macht man sowieso. Natürlich hängt die Planung stark mit den Ansprüchen an den Ausbau zusammen. Wirfst du nur eine alte Matzratze in einen Bus und stellst einen Kocher dazu, hast du zwar einen «Camper», und die Planung entfällt völlig, doch lange wirst du so nicht reisen wollen. Wir bauten unseren Camper so komfortabel wie möglich. Jede Kleinigkeit kann auf der Reise nerven und wäre mit einer guten Planung nicht nötig gewesen.

Im Vorherein haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wo wir überhaupt arbeiten können. Man braucht viel Platz. Von Vorteil natürlich überdacht und beheizt. Wir hatten nur den Vorplatz beim Haus von Martins Eltern, der weder überdacht noch beheizt war. Gerade im Winter bei Minusgraden eine kleine Herausforderung.

TIPP 1: Kläre vor dem Ausbau ab, wo du arbeiten möchtest. Bedingungen wie, Platz, Internet, Strom, Distanz zum nächsten Baumarkt usw. sind wichtig und sollten zuerst geklärt sein. Gerade wenn keine überdachte Garage vorhanden ist, kann einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Und wir reden nicht nur von Regen. All diese Dinge können deinen Terminplan sehr schnell auf den Kopf stellen.

 

TIPP 2: Bau deinen finalen Entwurf gleich im Camper 1:1 mit Karton nach um ein Gefühl für die Proportionen zu erhalten. Störende Ecken und Kanten kannst du so frühzeitig erkennen und anpassen, damit es später keine bösen Überraschungen gibt.

Unser Platz ist für den Ausbau nicht optimal, aber eine Alternative gibt es nicht. Das Werkzeug und die ersten Materialien sind organisiert. Dann kann’s ja loslegen. Zuerst wurde Don sehr genau geprüft und nach Rost untersucht. Den ganzen Boden haben wir mit Schutzlack und Isolation versehen. Decke und Seitenwände wurden ebenfalls isoliert. Die hinteren Fenster haben wir mit professioneller Autofolie beklebt und ein Dach- sowie Seitenfenster eingebaut. Jetzt erst konnten wir mit dem eigentlichen Ausbau beginnen.

Hat alles was man zum Wohnen braucht

Huärä gopfertammi nomoll

Bitte entschuldigt diese Ausdrucksweise aber beim Camperausbau lernst du Fluchen. Leider läuft es oft nicht so wie geplant. Material falsch bestellt, vermessen, Maschine kaputt, in den Finger geschnitten usw. Die Liste ist schier endlos und es gibt Momente an denen man am Ausbau zweifelt. Doch eine Lösung gibt es immer. In unserem Fall hatten wir Probleme mit dem Einbau der Standheizung. Wir werden hier nicht ausführlich über den Einbau der Standheizung berichten, da es einfach zu viele Details gibt. Hast du Fragen, dann schreib uns einfach. Wir werden dir gerne unsere Erfahrungen mitteilen.

TIPP 1: Läuft etwas nicht nach Plan, schlafe eine Nacht darüber. Am nächsten Tag ist dein Kopf wieder frisch und du findest sicher eine Lösung.

 

TIPP 2: Bau Dummies so viel du kannst und du für nötig hälst. So können Materialstärke, Funktionsweise und Stabilität geprüft werden, bevor du teures Material verbrauchst, und dann merkst dass etwas nicht funktioniert.

 

TIPP 3: Definiere ein Abreisedatum und stelle einen groben Zeitplan auf. Es gib deinem Projekt einen Rahmen und hilft dich nicht in Details zu verlieren. Sonst baust du ewig am Camper herum und verschiebst deine Reise immer wieder.

Mittlerweile ist es schon Frühling und der Abreisetag rückt immer näher. Nicht dass die Zeit davor schon stressig genug gewesen wäre, denn mit 100% Jobs ist es nur am Feierabend und am Wochenende möglich am Camper zu bauen. Doch beim Endspurt gab es einige lange Arbeitstage. Alle Möbel sind gebaut und stehen noch in der Garage bereit, um lackiert zu werden. Wir haben alle Möbel mindestens mit einer Schicht Lack versehen. Stärker beanspruchte Stellen auch mit zwei oder mehreren Schichten. Lackierte Möbel verziehen sich weniger und lassen sich viel leichter reinigen.

Zuletzt wurde unser Camper verkabelt und die ganze Energieversorgung eingebaut. Zu Beginn haben wir Kabelkanäle gelegt und einen Faden durchgezogen. An diese Fäden hängten wir Kabel die wir so ohne Probleme durch die Kabelkanäle ziehen konnten. Solarinstallation und Verkabelung erledigten wir schneller als gedacht und langsam sahen wir ein «Ende» des Ausbaus. Leider blieb zum Testen nicht mehr allzu viel Zeit. Nur gerade eine Nacht verbrachten wir im fertig ausgebauten Camper. Scheint alles zu funktionieren. Doch ob sich unser Ausbau bewährt wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Im Nachhinein ist man immer schlauer

Ehrlich gesagt, würden wir wieder genau so vorgehen. Die genaue Planung hat uns sehr geholfen und nach sechs Monaten Reise hält der Ausbau immer noch. Einzig würden wir mehr Zeit zum Testen einplanen. Wir gingen ein grosses Risiko ein, mit einem kaum getesteten Ausbau auf Reisen zu gehen. Doch glücklicherweise hat bis jetzt alles so funktioniert wie beabsichtigt. Wenn Budget, Infrastruktur und Zeit vorhanden sind möchten wir alle dazu motivieren einen Bus selbst auszubauen. Wissen und Fähigkeiten kann man sich wie in unserem Fall aneignen und wir hatten wirklich von gar nichts eine Ahnung. Es macht Spass, wenn auch nicht immer, mit all den Materialien, Maschinen und Werkzeuge zu arbeiten und wenn man am Ende im fertig augebauten Camper, irgendwo weit weg von zu Hause sitzt, und alles so funktioniert wie gewünscht, darf man sich mit Recht auf die Schulter klopfen.

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